Das letzte Depot: die Abschieds-Wette gegen den KI-Hype
Burrys finales 13F ist ein Dokument mit Ansage. Die zwei mit Abstand größten Positionen waren Put-Optionen — Wetten auf fallende Kurse — gegen die beiden Aushängeschilder der KI-Euphorie: Palantir (Puts auf 5 Millionen Aktien, rund 912 Millionen Dollar Nominalwert) und Nvidia (Puts auf 1 Million Aktien, rund 187 Millionen Dollar). Auf der Kaufseite standen Call-Optionen auf zwei unglamouröse Value-Titel: Pfizer und Halliburton.
| Position | Art | Umfang (Aktien) | Nominalwert |
|---|---|---|---|
| Palantir PLTR | PUT | 5.000.000 | $ 912,1 Mio. |
| Nvidia NVDA | PUT | 1.000.000 | $ 186,6 Mio. |
| Pfizer PFE | CALL | 6.000.000 | $ 152,9 Mio. |
| Halliburton HAL | CALL | 2.500.000 | $ 61,5 Mio. |
| Molina Healthcare MOH | Aktien | 125.000 | $ 23,9 Mio. |
| Lululemon LULU | Aktien | 100.000 | $ 17,8 Mio. |
| SLM Corp SLM | Aktien | 480.054 | $ 13,3 Mio. |
| Bruker 6,375 % Pref. A BRKR | Vorzüge | 48.334 | $ 13,1 Mio. |
Stichtag 30.09.2025, eingereicht 03.11.2025. Optionspositionen werden im 13F zum Nominalwert der zugrunde liegenden Aktien gemeldet — nicht zur (viel kleineren) gezahlten Prämie.
Wichtig zur Einordnung: Das 13F verrät weder Laufzeit noch Strike der Optionen — und auch nicht, ob die Puts eine reine Short-Wette oder Teil einer komplexeren Strategie waren. Burry selbst stichelte damals öffentlich gegen Palantir; CEO Alex Karp keilte zurück. Ob die Wette am Ende aufging, lässt sich von außen nicht abschließend beurteilen: Zwischen Stichtag und Veröffentlichung liegen bei 13F-Daten bis zu 45 Tage — bei Optionen eine halbe Ewigkeit.
Warum es keine neuen Burry-Daten mehr gibt
Die 13F-Pflicht trifft nur registrierte institutionelle Vermögensverwalter mit mehr als 100 Millionen Dollar in US-Aktien. Am 10. November 2025 wechselte der SEC-Status von Scion Asset Management auf „terminated" — Burry gab das Management externen Kapitals auf und ist seither schlicht Privatanleger. Kein Kundengeld, keine Registrierung, keine Meldepflicht. Sein Depot ist damit für die Öffentlichkeit eingefroren — auf dem Stand vom 30. September 2025.
Das hat eine unangenehme Folge für alle „Guru-Tracker": Jede Website, die 2026 ein „aktuelles Michael-Burry-Portfolio" anzeigt, zeigt diesen alten Stand. Oft ohne Datum, oft mit der Überschrift „2026". Wer darauf Anlageentscheidungen baut, handelt auf Basis von Daten, die im schlimmsten Fall über ein Jahr alt sind — von Positionen, die längst geschlossen sein können.
Wo Burry heute publiziert: „Cassandra Unchained"
Verstummt ist Burry nicht — im Gegenteil. Kurz nach der Abmeldung startete er Ende November 2025 sein kostenpflichtiges Substack „Cassandra Unchained". Der Name ist Programm: Kassandra, die Seherin, deren wahren Prophezeiungen niemand glaubte — nun „entfesselt", weil er als Privatmann sagen kann, was er will. Dort veröffentlicht er Essays und Analysen, prominent darunter seine These einer KI-Investitionsblase. Was er dort nicht tut: seine Depotbestände offenlegen. Wer wissen will, was Burry hält, erfährt es bestenfalls, wenn er es selbst erzählt — überprüfbar ist es nicht mehr.
Die Lehre für Anleger: Ein Guru ist kein Datensatz
Burrys Abgang zeigt die Schwäche des klassischen „Guru-Investierens": Wer seine Strategie an ein einzelnes Vorbild-Depot hängt, steht im Regen, sobald das Vorbild die Bühne verlässt — oder, wie Burry, nur noch selektiv kommuniziert. Robuster ist der umgekehrte Ansatz: nicht einem Star folgen, sondern dem Konsens vieler Profis. Wenn dutzende Fonds gleichzeitig und unabhängig voneinander in denselben Titel einsteigen, ist das ein Signal, das nicht von einer Person abhängt. Genau so arbeitet unsere wöchentliche Auswertung: 379 Fonds-Portfolios, Politiker-Trades und Kurs-Timing — statt einem einzelnen Orakel.
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Statt einem Guru: der Konsens aus 379 Fonds.
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